Völkerwanderung: Salzburg erlebt Zeitgeschichte LiVE

06.09.2015

Es ist Zeitgeschichte, was Europa derzeit erlebt und Salzburg spielt dabei eine wichtige Rolle. Tausende Menschen auf der Flucht aus Ungarn über Österreich nach Deutschland. Salzburg ist dabei der sogenannte Kopfbahnhof. Woher die Flüchtlinge genau kommen, das weiß man nicht – darüber gibt es unterschiedliche Informationen. Österreichische Quellen sprechen von Flüchtlingen aus Syrien – die ungarische Regierung spricht hingegen von Flüchtlingen aus unterschiedlichen Staaten.

Szenen am Salzburg Hauptbahnhof, die berühren: kleine Kinder, alte Menschen auf Krücken, Frauen und Männer – teils sichtlich traumatisiert – machen hier Zwischenstation, um in Zügen nach Deutschland zu reisen. Sie haben eine wochenlange Flucht hinter sich. Hier in Salzburg zücken sie ihre Handies – um Fotos zu machen, von sich und den Helfern. Einige bezeichnen die Helfer als „Angels“, also als Engel.

ÖBB-Mitarbeiter bemühen sich unterdessen den Fahrgästen zu erklären, dass bei uns im Zug nicht geraucht werden darf. Es bleibt beim Versuch der Erklärung.

Rotes Kreuz, Caritas und die Muslimische Jugend kümmern sich um die Flüchtlinge. Getränke, Speisen und Bekleidung werden verteilt. Ein Flüchtling findet keine passenden Schuhe. Bei der Anprobe der Schuhe ist zu sehen, dass seine Füße schon aufgerieben sind. Es bleibt keine Zeit sich nach passenden Modellen umzusehen, das Umsteigen in den deutschen Zug muss schnell gehen. Da kommt ein Helfer der muslimischen Jugend: Er sieht, dass der Flüchtling die gleiche Schuhgröße wie haben dürfte. Schnell zieht er seine Schuh aus, gibt ihm einen zum Probieren. Der Schuh passt wie angegossen, schnell gibt er ihm auch den Zweiten. Es bleib nur kurz Zeit zum Danke sagen. Ein Kontaktaustausch ist nicht möglich, die Zeit drängt – sonst verpasst er den Anschlusszug. Aber die Chance lebt, sich vielleicht über Facebook wieder zu finden. Die Flüchtlinge und ihre Helfer sind über soziale Medien ungemein gut vernetzt.

Ein Salzburger Pressefotograf sorgt dann kurz vor Mitternacht für einen Beinahe-Eklat: Er knippst Flüchtlinge die ausdrücklich nicht fotografiert werden möchten. Es kommt zu einer Rangelei. Auch hier drängt die Zeit auf Grund des Anschlusszuges – in diesem Fall gut, so blieben weitere unschöne Szenen aus.

Aus Respekt vor den Menschen die auf der Flucht sind, zeigen wir hier keine Gesichtsbilder der Flüchtlinge.

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